Zu viel Geschrei, zu wenig Respekt

Montag ist kein schöner Tag. Entweder wird man von nem schönen Wochenende zurück inne Arbeit gerissen oder man muss wie heute dumme Tweets und Postings über eine Wahl lesen.

Ich bin wahrlich kein Fan von schwarz-gelb, aber was da losgelassen wird, geht mir mächtig auf die Eier.

Mit welchem Recht werden knapp 42% der Wahlberechtigten – über 25 Millionen Menschen – als Idioten beschimpft? Alle beschweren sich, dass es keinen Respekt mehr im Alltag gibt, aber was hier geschieht, ist nichts anderes. Schlimmer noch. Menschen werden teilweise angefeindet und für ihre Stimmabgabe beschimpft.

Witze und Sticheleien finde ich persönlich noch ok. Vielleicht auch, weil ich das selber so handhabe. Aber jemanden aufgrund seines Wahlverhaltens angreifen? Sorry nein, das geht zu weit.

Auch dass jetzt auf Kristina Schröder eingekloppt wird, weil sie sich wegen ihrer Familie gegen eine weitere Amtszeit als Ministerin entschied. Was soll das? Jetzt zu lachen und vorzuwerfen, das sei ein Beweis, dass Karriere und Familie nicht vereinbar sind; das ist ganz billiger Populismus. Denn was wäre, wenn Kristina Schröder jetzt einfach nur 20 oder 30 Stunden arbeiten würde? Genau, es gäbe Vorwürfe, dass sie ihr Amt nicht vollständig ausüben würde. Und jede Wette, genau von denen, die jetzt auch schreien.

Zweite Kacke, die mich nach der Wahl nervt. Die Frotzelei über die FDP. Man mag von ihr und ihrer immer wiederkehrenden Lobbypolitik halten was man will. Aber die FDP, genauer gesagt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (SLS) war die letzte Bastion in der Regierung, wenn es um Bürgerrechte ging. SLS hat in der Oppositionszeit selbst gegen die VDS geklagt und sich vehement gegen so manch sture CDU Innenpolitiker durchgesetzt. Bis zuletzt erfolgreich. Das fehlt nun. Denn alle, die nun jubeln, was habt ihr gewählt? SPD? Grüne? Tja schöne Arschkarte, die wollen die Vorratsdatenspeicherung genau wie die Union, sie geben dem Schwein nur einen anderen Namen.

Und als letzter Punkt, die AfD. Zu behaupten, deren Wähler wären alle Nazi, Leute bitte. Ich will nicht wissen, wie viele Wähler der AfD einfach nur den Punkt der Euro-Kritik unterstützen und denen alles andere egal ist oder die das nicht mitbekommen haben. Die AfD hat in den letzten Tagen viele Wahlwerbespots im TV gesendet, die sich eben auf die Eurokrise bezogen. Seid lieber glücklich, dass es die AfD nicht in den Bundestag geschafft hat.

Alles zusammen krachte gestern Abend bei mir inne Timeline. Vieles davon weit unterhalb der Gürtellinie. Zur Demokratie gehört nun mal auch, dass man mit Mehrheitsentscheidungen leben muss. Wer das nicht mag, soll auswandern. Wer unzufrieden ist, kann politsch aktiv werden. Aber wer Menschen erst zur Wahl aufruft, sie aber dann für ihre Stimmabgabe kritisiert, nur weil sie nicht mit der eigenen übereinstimmt, sollte besser den Ausweis zerschneiden und ins Lager der Nichtwählern wechseln.

 

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